Führungskraft Eigenschaften in Zeiten von KI
Menschlichkeit ist kein Soft Skill - sie ist ein Führungsfaktor.
Wenn du nach “Eigenschaften einer guten Führungskraft” suchst, findest du schnell die bekannten Aufzählungen: empathisch, entscheidungsstark, kommunikativ, durchsetzungsfähig, strategisch, innovativ. Seit die KI im Unternehmen Einzug gehalten hat, kommen auch noch Begriffe wie digital kompetent hinzu. Bedeutet das nun, dass du - wenn du eine gute Führungskraft sein willst - all diese Eigenschaften gleichermaßen mitbringen musst? Meine Antwort darauf: Nein. Denn Führung funktioniert nicht unabhängig von Persönlichkeit, Umfeld, Aufgaben und Menschen, die geführt werden.
Was sich verallgemeinert sagen lässt: Fachliche Exzellenz reicht als Führungskraft schon lange nicht mehr aus. Immer mehr rückt die tatsächliche Führung von Mitarbeitenden in den Fokus, um die Ziele des Unternehmens zu erreichen. Die Aufgabe von Führungskräften ist längst nicht mehr, alles selbst am besten zu wissen, sondern Menschen Orientierung zu geben, Zusammenarbeit zu ermöglichen und Entwicklung zu fördern. Der Einsatz von KI im Unternehmen macht diese Entwicklung noch deutlicher: Wissen wird immer schneller verfügbar, Analysen können unterstützt werden und Informationen können automatisiert aufbereitet werden. Die eigentliche Führungsleistung beginnt also dort, wo Technologie nicht einfach übernehmen kann.
Kontroverser Weise spiegelt sich diese Entwicklung in den meisten Unternehmen allerdings noch nicht in der Rollenbeschreibung von Führungskräften wieder. Führungskräfte sind nach wie vor operativ massiv eingespannt und finden kaum Zeit für ihre Führungsaufgaben. An der Stelle erleichtert KI mittlerweile einiges, indem sie wiederkehrende Aufgaben übernimmt, Prozesse standardisiert und so die Führungskräfte entlastet.
Je mehr KI übernimmt, desto wichtiger wird der Mensch
Wer allerdings auch seine Führung standardisiert, ist auf dem Holzweg. Gerade die Persönlichkeit, Authentizität und Individualität wird gerade in Zeiten von KI immer wichtiger, denn das fehlt der KI. Du kennst ihn vielleicht, den ganzen “KI-Slop” - den künstlich erzeugten Einheitsbrei, der uns gerade überall im Netz begegnet. KI-designte Flyer, von der KI geschriebene Posts und Newsletter. Und wenn wir mal ehrlich sind, spricht uns das nicht wirklich an. Und genau das meine ich mit Persönlichkeit.
Dabei ist es nicht entscheidend, DIE eine Führungspersönlichkeit zu haben - denn die gibt es nicht. Deswegen halte ich persönlich nicht viel von pauschalisierten Listen mit Führungskraft-Eigenschaften. Führung kann auf vollkommen unterschiedliche Arten erfolgreich sein. Die eine Führungskraft kann besonders schnell, direkt und entscheidungsfreudig führen, die andere kann richtig gut andere begeistern und mitreißen, die dritte kann auch in turbulenten Zeiten stoische Ruhe ausstrahlen, Sicherheit vermitteln und aufmerksam auf jeden im Team eingehen, während die vierte besonders gut Zusammenhänge erkennen und Entscheidungen analytisch treffen kann. Alle vier können hervorragende Führungskräfte sein. Entscheidend für deinen Führungserfolg ist: Kennst du deine Wirkung? Nutzt du deine Stärken? Erkennst du deine blinden Flecken? Und kannst du dein Verhalten der Situation und deinem Gegenüber anpassen?
Vier Führungspersönlichkeiten – vier unterschiedliche Stärken
Bleiben wir mal bei den vier Führungspersönlichkeiten. Jede einzelne bringt ihre Stärken mit und ist auf ihre eigene Weise hilfreich in Zeiten von KI. Jede hat aber auch ihre blinden Flecken, auf die sie ein Augenmerk legen sollte.
Die direkte, entschlossene Führungskraft denkt stark Ergebnisorientiert und übernimmt Verantwortung, was in Zeiten von KI hilfreich ist, da sie schnell neue Chancen erkennt und Entscheidungen schnell trifft, ohne endlos darüber zu diskutieren. Allerdings kann es sein, dass das hohe Tempo einige Mitarbeiter verunsichert und sich manche mit den Entscheidungen “überfahren” fühlen.
Die begeisternde, visionäre Führungskraft ist offen für Neues, denkt kreativ, bringt Menschen zusammen und steckt andere mit ihren Ideen an. Das hilft dabei, Lust auf Veränderung ins Team zu bringen - beispielsweise auf die Nutzung der KI. Allerdings kann die visionäre, begeisternde Führung bei manchen auch desillusioniert oder orientierungslos ankommen.
Die ruhige, menschenorientierte Führungskraft geht individuell auf jeden Mitarbeitenden ein, bringst Stabilität ins Team, nimmt sich Zeit und nimmt die Sorgen des Teams ernst - auch solche in Verbindung mit KI. Allerdings kann das dazu führen, dass Mitarbeitenden die Klarheit über Erwartungen fehlt.
Die analytische, strukturierte Führungskraft analysiert vieles und denkt stets die Risiken mit. Sie schafft Prozesse und Standards - was für die Einführung der KI im Unternehmen hilfreich ist. Hier werden beispielsweise auch Datenschutz, Qualität und Risiken der KI gründlich mit berücksichtigt. Zu viel Analyse kann allerdings das Momentum kosten und nicht alles kann im Voraus durchanalysiert werden.
Gute Führung bedeutet nicht, jemand anderes zu werden
Der entscheidende Punkt ist, dass die Eigenschaften einer guten Führungskraft in Zeiten von KI nicht bedeuten, dass du deine eigene Persönlichkeit ablegen musst. Im Gegenteil: Gute Führung bedeutet, deine Persönlichkeit als Führungsinstrument zu nutzen. Mitarbeitende erleben nicht einen Prompt - sie erleben DICH. Deine Haltung, deine Verlässlichkeit, deine Art zuzuhören und mit Fehlern umzugehen. Führung wird nicht deshalb besser, weil Führungskräfte möglichst “perfekt” auftreten, sondern dadurch, dass sie klar wissen, wer sie sind und wie sie wirken.
Vielleicht brauchen wir also gar keine neue Liste mit den wichtigsten Eigenschaften einer Führungskraft. Viel entscheidender sind Fragen wie:
- Was fällt mir als Führungskraft leicht?'
- Was treibt mich an?
- Wie wirke ich auf andere - auch unter Druck?
- Welche Menschen verstehe ich intuitiv gut?
- Bei welchen Mitarbeitenden fällt mir das schwerer?
- Wie kann ich auf die Persönlichkeiten und die Bedürfnisse meiner Mitarbeitenden besser eingehen?
Die beste Führungskraft-Eigenschaft ist es, deine eigene Persönlichkeit zu kennen, andere Persönlichkeiten ernst zu nehmen und beides miteinander zu verbinden.
In summary
KI verändert Führung - aber vielleicht anders, als wir denken. KI macht Führung längst nicht überflüssig, sie verschiebt lediglich, wo menschliche Führung besonders wertvoll wird. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Die Zukunft der Führung wird technologischer. Gerade deshalb darf Führung menschlicher werden.
Du möchtest mehr darüber erfahren, welche Stärken und blinde Flecken genau deine Führungspersönlichkeit mit sich bringt und wie du das für deine Führung nutzen kannst? Schau mal hier vorbei: Insights Discovery für Führungskräfte
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